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Von Pfeffersäcken, Bosketten und Moonlights |
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Leben und Wirken der Prinzessin Louise Henriette von Oranien-Nassau hatten sich die Gestalter der diesjährigen Landesgartenschau in Oranienburg zum Motto erkoren und dazu den historischen Schlosspark wieder hergestellt sowie weitere Teile in ein einzigartiges Blumenmeer verwandelt. Cora Stelter führte uns durch dieses Reich, sie kam allerdings nicht in 20 Kilogramm schweren Reifröcken daher, geschnürt auf eine Taille von 45 Zentimetern, wie es bei den Barockdamen damals schick war. Allein die Vorstellung, an jenem sommerheißen Tag derart eingepackt zu sein, trieb uns Frauen den Schweiß auf die Stirn. Unseren Rundgang begannen wir am Hauptportal des Schlossgartens mit den Allegorien
für Sommer und Herbst auf den Säulen. Von hier aus genossen wir den Blick in einer freien Sichtachse mit orangefarbenen Kugeln, die im Dunklen als Moonlights leuchten, über den freigelegten Schlossteich mit der Fontäne bis hin zur 800 Meter entfernten Sonnenuhr und dem ältesten Baum des Parks, einer 300-jährigen Eiche. Auf dem weiteren Weg erbauten wir uns an den Wasserläufen, die mit Seerosen vielfarbig bepflanzt waren und an die Herkunft der Kurfürstin, die Niederlande, erinnerten. Den Kräutergarten zu besichtigen war ein Muss. Man ahnte ihren Duft und erfuhr, dass der Handel mit kostbaren fernöstlichen Gewürzen zu Zeiten der Kurfürstin die Grundlage des holländischen Reichtums bildete. Vornehme Damen trugen Gewürze in Duftkugeln um den Hals und als Staatsgeschenke eigneten sich vorzüglich Zimtstangen, Nelken und Muskat. Louise-Henriette ließ auch Brandenburg an diesen faszinierenden Überseegaben teilhaben. Sie führte Pflanzen und Früchte ein wie Ananas, Spargel, Kartoffeln, Tomaten oder Hopfen. Sie förderte Landwirtschaft und Handwerk, aus Zehdenick und anderen Orten wurden z. B. Ziegel für den Bau in Berlin verschifft. Auf unserem geführten Spaziergang erreichten wir die Bosketten, so genannte Lustwäldchen oder –gärten, in denen die Hofdamen ihre Reifröcke spazieren führten. Ohne die sachkundigen Erläuterungen von Cora Stelter hätten wir wohl kaum die Parkbilder und –bauten in den sechs Bosketten mit philosophischem Anspruch zu deuten vermocht und auch die Themen in phantasievoll angelegten Gartenzimmern des neuen Schlossbergteils erschlossen sich uns nicht sogleich. Beliebtes Fotomotiv das Gartenzimmer „Tempora“ mit der großen Sanduhr, die alle volle Stunde beim Umdrehen eine Bachmelodie erklingen lässt. Wenn sie denn funktioniert! Oder das Luxusgartenzimmer mit schwankendem Porzellanturm. Er erinnert an die Vorliebe der Kurfürstin für wertvolles Porzellan. Eine holländisch wirkende Polderlandschaft mit Gräben, Staudenbändern und Spaliergehölzen bildet den passenden Rahmen für diesen Teil der LaGa und wird wohl auch künftig erhalten bleiben. Während manche unserer 18 Schwedenfreunde noch einem Steinmetz bei der Arbeit zuschauten, erholten sich andere bei Speise und Trank im Hafengelände der Havel, dem Endpunkt der Führung, und schauten sich anschließend noch die zauberhaften bizarren Orchideen in der Blumenhalle an. Es war dies ein Tag, der Augen und Sinne betörte, ein bildungsreicher wunderschöner Sommersonnentag.
Brigitte Deckwerth |